Daten und Fakten

Freie DienstnehmerInnen

Ausgangslage
Bildungsniveau von Freien DienstnehmerInnen
Freie DienstnehmerInnen nach Alter
Honorare
Arbeitsverträge
Branchen

WerkvertragsnehmerInnen

Ausgangslage
WerkvertragsnehmerInnen nach Alter
Tätigkeiten nach Fachgruppen
Soziale Absicherung
Vergleich ASVG und GSVG
Arbeitslosenversicherung

Freie DienstnehmerInnen

Mit 37.000 Freien DienstnehmerInnen im Jahr 2013 – das entspricht ca. einem Prozent aller unselbstständig Beschäftigten – sind Freie DienstnehmerInnen inzwischen zur kleinsten Gruppe der „atypisch“ Erwerbstätigen geworden. Seit ihrer sozialversicherungsrechtlichen Gleichstellung und weiteren ArbeitnehmerInnenrechten, die ihnen 2008 eingeräumt wurden, verzeichnen wir einen Rückgang von minus 24.000 Personen um gravierende 39 Prozent.

Fast die Hälfte, also 44 Prozent aller freien Dienstverträge, waren des Weiteren nur Arbeitsverhältnisse auf geringfügiger Basis. Interessant ist auch dass sich diese mit ganzen 44 Prozent sehr stark auf Wien konzentrieren und Frauen mit 56 Prozent überrepräsentiert sind.

6_frei

Das Bildungsniveau von Freien DienstnehmerInnen ist hoch und sie sind jung, dies führt uns zu der Annahme dass es sich hier verstärkt um BerufseinsteigerInnen handeln muss.  Rund 70 Prozent der Freien DienstnehmerInnen haben mindestens die Reifeprüfung oder eine Hochschule absolviert und abgeschlossen. Rund 40 Prozent sind unter 30 Jahren alt.

2_frei

Daten aus eigener Erhebung:
Die Interessengemeinschaft IG Flex der GPA-djp hat 2013 eine Umfrage zu den Arbeitsbedinungen von Freien DienstnehmerInnen und WerkvertragsnehmerInnen durchgeführt. Diese Umfrage kann nicht die gesamte Beschäftigtenstruktur abbilden und erhebt keinen wissenschaftlichen Anspruch.

Honorare von Freien DienstnehmerInnen,  WerkvertragsnehmerInnen  und „Neuen Selbstständigen“:
Freie DeinstnehmerInnen gelten steuerrechtlich als Selbstständige, WerkervertragsnehmerInnen oder „Neue Selbstständige“ gelten auch sozialversicherungsrechtlich als Selbstständig.

3_frei

Schon das Ergebnis der Frage ob die Stundenhonorare, die sie für ihre Arbeit honorieren, von ihnen selbst ausverhandelt wurden, lässt aber an der echten Selbstständigkeit dieser Gruppe zweifeln. Denn nur 19,3 Prozent der Befragten beantworten diese mit ja. Den anderen 81,7 Prozent der Befragten wurden ihre Honorare von den AuftraggeberInnen vorgegeben und sie hatten keinen weiteren Verhandlungsspielraum.

Ein weiteres aufschlussreiches Ergebnis zeigt sich beim Blick auf die Höhe der angegeben Stundenhonorare. Denn obwohl diese zu über 80 Prozent nicht selbst ausverhandelt wurden, liegen diese zu 51 Prozent unter 20 Euro pro Stunde brutto und bei weiteren 14 Prozent unter 25 Euro pro Stunde brutto. Damit verdienen knapp zwei Drittel dieser Gruppe maximal 12 Euro netto in der Stunde, gerade in Anbetracht des hohen Bildungsniveaus, ist das in Relation zu unselbstständiger Erwerbsarbeit sehr wenig.

Arbeitsverträge
Ein weiterer Indikator für die Arbeitssituation von Freien DienstnehmerInnen, Werkvertrags-nehmerInnen und oder „Neuen Selbstständigen“ ist die Anzahl ihrer AuftraggeberInnen, beziehungsweise der Arbeitsverträge die von ihnen angegeben werden.
Immerhin 55 Prozent der Befragten geben an nur einen Arbeitsvertrag abgeschlossen zu haben, das bedeutet sie arbeiten auch nur für eineN und nicht mehrere AuftraggeberInnen, sind also wirtschaftlich von einer Einkommensquelle abhängig.
Zumindest zwei Arbeitsverträge haben 20 Prozent der von uns Befragten „Selbstständigen“, zwölf Prozent sagen sie hätten gar keinen Arbeitsvertrag, neun Prozent haben zwei Arbeitsverträge und nur drei Prozent haben mehr als drei Arbeitsverträge abgeschlossen.

Freie DienstnehmerInnen nach Branchen
Zu einem ähnlichen Bild der Branchen wie sie die Statistik Austria als typische Branchen von Freien DienstnehmerInnen „Erziehung und Unterricht“, die „Erbringung von freuberuflichen wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen“, „Information und Kommunikation“ und das „Gesundheits- und Sozialwesen“ angibt kamen auch wir in unserer Befragung.

4_frei

So ist es insbesondere der Gesundheits- und Sozialbereich, Journalismus und die Erwachsenenbildung und andere Dienstleistungsbereiche in denen Freie DienstnehmerInnen, WerkvertragsnehmerInnen und oder „Neue Selbstständige“ arbeiten.

WerkvertragsnehmerInnen

WerkvertragsnehmerInnen sind Beschäftigte, die Leistungen auf Basis von Honoraren erbringen. Ein Werkvertrag muss dafür nicht zwingend schriftlich vorhanden sein. Auch eine mündliche Vereinbarung über eine Leistung, die erbracht werden soll, also ein „geschuldetes Werk“, gilt als Werkvertrag.

Damit können WerkvertragsnehmerInnen sowohl Ein-Personen-Unternehmen (EPU), Freie DienstnehmerInnen und Neue Selbstständige, wie „echte“ UnternehmerInnen ohne eigenes Personal sein. Es kursieren noch viele weitere Begriffe wie „Soloselbstständige“ oder „Freelancer“. Die gemeinsame Grundlage ist aber immer ein Werkvertrag. Genaue Zahlen zu WerkvertragsnehmerInnen stehen uns leider nicht zur Verfügung, weil diese von der Sozialversicherungsanstalt / der Wirtschaftskammer weder genau erfasst noch veröffentlicht werden.

Seit einigen Jahren erleben EPU und Neue Selbstständige einen rasanten Anstieg, 2013 wurden rund 15.000 neue EPU gegründet, das entspricht ungefähr dem Schnitt der letzten 10 Jahre.

Mit Gewerbeschein als EPU in der Wirtschaftskammer Mitglied sind derzeit 278.411 Personen, dazu kommen ca. 60.000 Neue Selbstständige, diese besitzen keinen Gewerbeschein und arbeiten als FreiberuflerInnen auf Werkvertragsbasis. Insgesamt arbeiten in Österreich über 300.000 Personen auf Basis von Werkverträgen.

Durch ihr hohes Wachstum stellen EPU inzwischen einen von 58,1 Prozent aller Wirtschaftskammermitglieder, allerdings erweisen sich diese auch als sehr kurzlebig, denn nur 60 Prozent überstehen die ersten fünf Jahre ihres UnternehmerInnen-Daseins, 40 Prozent beenden ihr Gewerbe innerhalb diesen kurzen Zeitraums wieder.

Der durchschnittliche Medianumsatz von EPU liegt derzeit bei € 11.553 brutto pro Jahr, das bedeutet 50 Prozent erwirtschaften mehr und 50 Prozent erwirtschaften weniger.  Frauen machen mit € 8.788 brutto deutlich geringere Umsätze als Männer mit € 15.171 brutto pro Jahr.

Auf Grund dieser geringen Umsätze gelten 15 Prozent als working poor und 12 Prozent als armutsgefährdet.

1_werk

Das durchschnittliche Alter von EPU liegt bei 45 Jahren und mit einem Anteil von 48,3 Prozent Frauen ist das Geschlechterverhältnis relativ ausgeglichen. Ein-Personen-UnternehmerInnen sind meist im Alter zwischen 25 und 35 Jahren, bzw. über 50 Jahre alt und verfügen in der Regel entweder über einen sehr hohen, oder niedrigen Bildungsabschluss.

Die ausgeübten Tätigkeiten gehen über wissenschaftliche Projektarbeit, über Kreativberufe bis zur 24-Stunden-Pflege.

Die meisten EPU arbeiten in den Sparten Gewerbe und Handwerk mit einem Anteil von 64,9 Prozent, Information und Consulting mit einem Anteil von 60,5 Prozent und im Handel mit einem Anteil von 48,1 Prozent. Gefolgt von Industrie mit 39,6 Prozent, Transport und Verkehr mit 34,7 Prozent und Tourismus und Freizeitwirtschaft mit 32,6 Prozent.

Aufschluss über die ausgeübten Tätigkeiten geben außerdem die WKO Fachgruppen in denen EPU Mitglied sind.

Wirtschaftskammer Fachgruppen
• Direktvertrieb 91,8%
• Gewerbliche Dienstleister 88,3%
• Berufsfotografen 80,3%
• Fußpfleger, Kosmetiker und Masseure 78,4%
• Versicherungsagenten 76,6%
• Kunsthandwerke 76 %
• Film- und Musikindustrie 73,7%
• Finanzdienstleister 68 %
• Unternehmensberatung und Informationstechnologie 65,3%
• Werbung und Marktkommunikation 65,3%

2_werk

Ebenfalls sehr aufschlussreich ist die Bundeseinheitliche Liste der freien Gewerbe der WKO. Diese Liste „erhebt nicht den Anspruch, alle überhaupt denkbaren freien Gewerbe anzuführen“, trotzdem finden sich in dieser Liste mehrere „Gewerbe“ deren Beschreibung an der echten selbstständigen, unternehmerischen Tätigkeit Zweifel aufkommen lassen.
So finden sich darin zum Beispiel Gewerbe wie „Regalbetreuung“ im Supermarkt und Lagern, das „Verspeachteln von bereits montierten Gipskartonplatten“, „Personenbetreuung“, „Verschließen von Bauwerksfugen mittels plastischer und dauerelastischer Kunstoffmassen von Kunststoffprofilen“ und „Werbung von Mitgliedern für gemeinnützige Organisationen und Vereine unter Ausschluss der Entgegennahme von Beiträgen“.

Aus unserer Beratungstätigkeit im Rahmen der Interessengemeinschaft (IG) work@flex, wissen wir außerdem das auch nicht selten Honorarnoten mit „der Zurverfügungstellung der eigenen Arbeitsleitung“, oder „des eigenen geistigen Eigentums“ kursieren.

Zur sozialen Absicherung von „Selbstständigen“ in Österreich
Gewerbliche Sozialversicherung – SVA und EPU

Die soziale Absicherung von Selbstständigen ist viel schwächer ausgeprägt als die von unselbstständig Erwerbstätigen.
Von UnternehmerInnen wird erwartet, dass sie sich in Einnahmestarken Phasen genug Kapital auf die Seite legen, um wirtschaftlich schwächere Phasen überbrücken zu können.
Das Problem von vielen EPU und gerade von Scheinselbstständigen liegt allerdings darin, dass sie so geringe Umsätze verbuchen, dass es ihnen in der Regel kaum möglich ist, für Krankheitsfälle und andere Ausfälle zu sparen.
Gerade deswegen ist es in der Praxis oft ein riesen Problem, das Krankengeld erst ab dem 42. Krankheitstag gewährt wird und dieses gerade einmal 29 Euro pro Tag beträgt. Es ist zwar möglich, sich freiwillig zur Zusatzkrankenversicherung bei der SVA anzumelden, dieses kostet jedoch 2,5 Prozent der Beitragsgrundlage, was sich nur die wenigsten leisten können und bietet auch nur die 29 Euro Krankengeld ab dem 4. Tag der Erkrankung.
Auch die lange Nachbemessungsfrist von 36 Monaten für die Sozialversicherungsabgaben bereitet vielen große Schwierigkeiten, bis hin zum Konkurs. War das Jahr die drei Jahre zuvor sehr erfolgreich, folgen darauf auch schlechtere Jahre, über diese Kapital für Nachzahlungen zu horten schaffen nicht viele.
Wochengeld bzw. Betriebshilfe wird jungen Müttern auch nur in der Höhe von 51,20 Euro pro Tag gewährt.
Die einzige Ausnahme stellt die Künstlersozialversicherung dar, die es KünstlerInnen erlaubt ihre Tätigkeit zwischendurch ruhend zu melden (Ruhen uU ALG) und die sich auch nur Teilversichern können.

Beitragsgrundlagen

Die Betragsgrundlage für die Unfall-, Kranken- und Pensionsversicherung selbst ist für Selbständige in Österreich eigentlich mit 26,25 Prozent sogar günstiger, als die für unselbstständig Erwerbstätige mit 39,9 Prozent.
Bei unselbstständig Erwerbstätigen bezahlt allerdings die Hälfte der Beiträge der/die ArbeitgeberIn, wodurch für die Beschäftigten nur 18 Prozent anfallen.

ASVG und GSVG Beitragshöhe im Vergleich

3_werk

Die Versicherungspflicht besteht für selbstständige Einkünfte ab einer Höhe von 4.988,64 Euro jährlich. Die Mindestbeitragsgrundlage beträgt 31,80 Euro pro Monat, bei einer angenommenen monatlichen Einkunft von über 415,72 Euro.

Diese wird für „Neue Selbstständige“ oder FreiberuflerInnen ohne Gewerbeschein im Zuge der Einkommenssteuer Erklärung nachbemessen, wenn die Einkünfte die Mindestbeitragsgrundlage übersteigen.  Die Nachbemessungsfrist für Sozialversicherungsabgaben beträgt 36 Monate.

Bei EPU mit Gewerbeschein werden die ersten zwei Jahre nach der Anmeldung nicht nachbemessen. Dann erfolgt die vorläufige Beitragsgrundlage auf Basis des drittletzten Jahres, mit einer Mindestbeitragsgrundlage 704,99€ monatlich, der Mindestbeitrag beträgt 53,93 Euro.

Über die endgültige Beitragsgrundlage entscheidet erst der Steuerbescheid, die Nachzahlungen müssen im darauffolgenden Jahr quartalsweise geleistet werden.
Die Finanzierung des neuen Krankengeld-Modells für GSVG Versicherte von 19 Millionen Euro erfolgt über die AUVA.

Selbstbehalt
Zusätzlich muss bei jeder ärztlichen Behandlung ein Selbstbehalt von 20 Prozent gezahlt werden, nur bei einem „erfolgreichem Gesundheitscheck“ wird der Selbstbehalt auf 10 Prozent reduziert.

Arbeitslosenversicherung
Die Arbeitslosenversicherung wird wie bereits erwähnt kaum in Anspruch genommen weil sich diese nur die wenigsten leisten können und zusätzlich gestaltet sich diese äußerst kompliziert.
Sie funktioniert zum Beispiel so;
• Beginn der Tätigkeit ab 1.1.2009 – Erklärungsfrist: 6 Monate ab schriftlicher Verständigung über den Beginn der GSVG/FSVG-PV bzw. Ausnahme nach § 5 GSVG
• Beginn der ALV: Beginn der PV, bzw. Ausnahme (Bekanntgabe des Beitritts binnen 3 Monaten)
• auf den Beitritt folgender Monat (Bekanntgabe des Beitritts nach dem 3. Monat)
• Bei Fristversäumnis – Beitritt erst wieder nach 8, 16, 24… Jahren möglich.
• Beitragshöhe wählbar: € 79,28, € 158,55 oder € 237,83/Monat
• Leistungen  ca € 650.-, € 1000.-, 1.400.-/Monat