Die ersten 100 Meldungen auf der watchlist-prekaer.at

MeldungenprekratAm 8.Juli haben wir die watchlist-prekaer.at gestartet und bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit unserem Vorsitzenden Wolfgang Katzian und Bundesminister Rudolf Hundstorfer präsentiert. Schon in den ersten zwei Wochen nach dem Start gab es über 40 konkrete Meldungen von Betrieben und 6500 Zugriffe auf die Seite.

Das ist erfreulich und zeigt, dass unser Angebot für Betroffene von Scheinselbstständigkeit gut angenommen wird. Außerdem möchten wir uns an dieser Stelle auch für die vielen positiven Rückmeldungen bedanken und den Mut honorieren, den viele aufbringen, um für sich und damit auch für andere geltendes Recht einzufordern.

Grobe Missstände
Gleichzeitig sind viele der Meldungen äußerst erschreckend und lassen bereits jetzt den Rückschluss zu, dass wir mit unserem Verdacht auf grobe Missstände in diesem Bereich direkt ins Schwarze getroffen haben.

Die Missstände selbst sind zu umfassend, um sie an dieser Stelle alle aufzählen zu können, manche der Schilderungen lauten aber wie folgt: „Ich habe die Lohnabrechnung immer auf einem Schmierzettel bekommen und die SV-Anmeldung erfolgte  erst auf mein Verlangen, daraufhin wurde ich gekündigt“. Die betroffene Person hat als Rezeptionist in einem Wiener Hotel gearbeitet. Oder „In diesem Betrieb sind aktuell gut 70 Personen (!) … scheinselbstständig durch freie Dienstnehmerverträge beschäftigt, obwohl die Arbeit im Büro der Firma zu vorgegebenen Zeiten durchgeführt werden muss und wir um Urlaub ansuchen müssen“. Hier handelte es sich um eine IT Firma.

Eine andere Person schrieb uns wiederum „Die Mitarbeiter wurden mit einem gewissen Betrag, der unter der Geringfügigkeitsgrenze lag, angemeldet. De facto musste jeder seine Arbeitszeit in ein Heft eintragen. Am Monatsende wurde abgerechnet mit 7 Euro pro Stunde, der Gesamtbetrag und insbesondere die gearbeiteten Stunden waren zwar über der Geringfüfigkeitsgrenze, wir mussten dennoch immer einen Lohnzettel unterschreiben der einen niedrigeren Betrag/Stunden aufwies…“.

Branchenübergreifende Verbreitung
Auch eine erste Auswertung der Antworten bestätigt klar, dass die Meldungen ernstzunehmende Missstände aufweisen und es sich um keine echten selbstständigen Beschäftigungsverhältnisse handelt. So haben ganze 89 Prozent angegeben, dass Weisungen erteilt und ihre Arbeitsleistung kontrolliert wurden, 60 Prozent der Betroffenen haben angegeben selbst als Ansprechpersonen für einen vorgegebenen Bereich eingesetzt zu werden und dass sie sich dabei nicht vertreten lassen dürfen. 66 Prozent geben an, fixe Arbeitszeiten einhalten zu müssen und 62 Prozent haben einen eigenen Arbeitsplatz mit Computer im Betrieb. All das sind ganz klare Indikatoren für ein unselbstständiges Arbeitsverhältnis, ein freies Unternehmertum lässt sich nicht erkennen. Ein Blick auf die Branchen aus denen die Meldungen kommen, zeigt außerdem dass sich die Missstände nicht auf einige wenige Branchen beschränken, sondern weit verbreitet sind.

Nun stellt sich die Frage; was stört die VertreterInnen der Wirtschaftskammer so an unserem Angebot, wer pauschaliert hier wirklich? Wir sagen nicht dass alle EPU in Österreich scheinselbstständig sind, wir sagen wir wollen denen helfen die sich an uns wenden und denen ihre Rechte als ArbeitnehmerInnen vorenthalten werden.

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