Setze deine Rechte durch, es geht um deine soziale Absicherung!

Die watchlist-prekaer.at richtet sich an Menschen in Scheinselbstständigkeit.

Was geht mich das an?

Du kannst Vorteile wie eine freie Arbeitszeiteinteilung oder die Wahl des Arbeitsorts nicht nutzen? Du musst dich aber selbst versichern, bekommst kein Weihnachts- oder Urlaubsgeld und im Urlaub oder Krankenstand wirst du nicht bezahlt? Dann bist du hier genau richtig!

Du kannst dich wehren!

Unter „Wehr dich!“ findest du ein Formular das du anonym beantworten kannst. Wir leiten deine Angaben an die Gebietskrankenkasse weiter. Die Gebietskrankenkasse prüft, ob du wirklich selbstständig bist und ob sie dich rückwirkend bei deinem Arbeitgeber anstellen kann.

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Was bedeutet eigentlich Scheinselbstständigkeit?

Watchlist Prekär: Selbständigkeit ist oft alles andere als freiwillig!

Selbständigkeit ist oft alles andere als freiwillig!

Der Begriff Scheinselbstständigkeit bedeutet, dass jemand zwar auf Basis von einem Freien Dienstvertrag, einem Werkvertrag oder Honorarnoten arbeitet, aber tatsächlich unselbstständige Arbeiten leistet wie Angestellte in einem Arbeitsverhältnis.

Letzten Endes zählt für die arbeits- uns sozialrechtliche Bewertung eines Arbeitsverhältnisses immer wie es in der Praxis gelebt wird, nicht was schriftlich oder mündlich vereinbart wurde. Das bedeutet, dass es bei versteckten Arbeitsverhältnissen, also bei scheinselbstständig Beschäftigten, rückwirkend zu Anstellungen kommen kann und Gehälter nachgefordert werden können.

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Weshalb es die watchlist-prekaer.at braucht

In den letzten Jahren stagniert die Zahl der unselbstständig Beschäftigten in Österreich. EPU (Ein-Personen-Unternehmen) und Neue Selbstständige, also Menschen die auf Werkvertragsbasis arbeiten, erleben hingegen einen rasanten Anstieg von rund 15.000 Neugründungen pro Jahr, was dem Schnitt der letzten 10 Jahre entspricht.

Von diesen geschätzt 300.000 Personen überlebt fast die Hälfte nicht einmal die ersten fünf Jahre ihres angeblichen UnternehmerInnen-Daseins, liegt ihr Medianeinkommen doch unter 9000 Euro brutto pro Jahr, das heißt ohne Abzug der Versicherungskosten und Steuer. Dies erhärtet unseren Verdacht, dass es sich bei diesen Menschen nicht nur um glückliche, selbstbestimmte UnternehmerInnen handelt. Wir fragen uns: Wie viel Freiheit, Glück und Selbstbestimmtheit sind mit 9000 Euro brutto pro Jahr möglich?

Lerne hier prekär Beschäftigte kennen wie Manuel K. (36), den Kunstvermittler, Gilbert B. (49), den TV-Journalisten, Suzana (26), die persönliche Assistentin und z.B. Andreas H. (50), den Architekten, um mehr über ihren Alltag zu erfahren.

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Wenn wir von Zwang in die Scheinselbstständigkeit reden, dann meinen wir damit zum Beispiel Menschen die oft über Jahrzehnte in einem Beruf im gleichen Betrieb angestellt waren und dann vor eine harte Wahl gestellt werden. Entweder sie arbeiten auf Basis eines Freien Dienstvertrages oder Werkvertrages weiter, ohne dass sich an ihrem Arbeitsalltag etwas ändert, oder sie werden gekündigt. Als „Argumente“ dienen dann Sätze wie ‚Es tut uns leid, wir würden Sie gerne als Mitarbeiter behalten, aber die derzeitige Auftragslage …‘.

Ein weiteres Beispiel sind junge Menschen die gerade ihren Berufseinstieg erleben und denen versprochen wird ‚Wir würden Ihnen gerne fürs Erste einen Freien Dienstvertrag anbieten. Wenn alles gut läuft können wir uns vorstellen, Sie in einem Jahr bei uns anzustellen …‘. Die dabei ausgeübten Tätigkeiten gehen von wissenschaftlicher Projektarbeit über Kreativberufe bis hin zur Personenbetreuung.

Es sind vor allem junge und ältere ArbeitnehmerInnen, die Probleme haben sich im angespannten Arbeitsmarkt zu halten oder einzusteigen. Das zeigt sich beim Blick auf das Alter der Freien DienstnehmerInnen und der sogenannten Ein-Personen-Unternehmen.

In einer Arbeitsmarktsituation mit der höchsten Arbeitslosigkeit seit dem Jahr 1953 stehen Menschen unter starkem Druck und werden dazu gedrängt unter fraglichen Bedingungen zu arbeiten. In der Drucksituation überhaupt ein Einkommen zu haben, wird die ‚freie Versicherungswahl‘, also der Weg in die ‚Selbstständigkeit‘ für viele zur letzten Möglichkeit.

Für die Betroffenen bedeutet das, dass sie mit weit weniger Geld auskommen müssen als ihre angestellten KollegInnen, auch Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld bleibt ihnen verwehrt. WerkvertragsnehmerInnen die sich bei der SVA selbstversichern müssen, erhalten erst ab dem 42.Tag Krankengeld in der Höhe von 29 Euro pro Tag. Sie haben fast nie eine freiwillige Arbeitslosenversicherung, weil sie sich diese in der Regel nicht leisten können. Das heißt, dass ihnen im Vergleich zu unselbstständig Beschäftigten auch die soziale Absicherung verwehrt bleibt.

Unsere Erfahrungen führen uns zu der Annahme, dass bis zu zwei Drittel der Freien Dienst- und WerkvertragsnehmerInnen keine echten UnternehmerInnen sondern Scheinselbstständige sind. Diese wollen wir dabei unterstützen ihre Rechte durchzusetzen und zu einer adäquaten sozialen Absicherung zu gelangen.

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Die ersten 100 Meldungen auf der watchlist-prekaer.at

MeldungenprekratAm 8.Juli haben wir die watchlist-prekaer.at gestartet und bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit unserem Vorsitzenden Wolfgang Katzian und Bundesminister Rudolf Hundstorfer präsentiert. Schon in den ersten zwei Wochen nach dem Start gab es über 40 konkrete Meldungen von Betrieben und 6500 Zugriffe auf die Seite.

Das ist erfreulich und zeigt, dass unser Angebot für Betroffene von Scheinselbstständigkeit gut angenommen wird. Außerdem möchten wir uns an dieser Stelle auch für die vielen positiven Rückmeldungen bedanken und den Mut honorieren, den viele aufbringen, um für sich und damit auch für andere geltendes Recht einzufordern.

Grobe Missstände
Gleichzeitig sind viele der Meldungen äußerst erschreckend und lassen bereits jetzt den Rückschluss zu, dass wir mit unserem Verdacht auf grobe Missstände in diesem Bereich direkt ins Schwarze getroffen haben.

Die Missstände selbst sind zu umfassend, um sie an dieser Stelle alle aufzählen zu können, manche der Schilderungen lauten aber wie folgt: „Ich habe die Lohnabrechnung immer auf einem Schmierzettel bekommen und die SV-Anmeldung erfolgte  erst auf mein Verlangen, daraufhin wurde ich gekündigt“. Die betroffene Person hat als Rezeptionist in einem Wiener Hotel gearbeitet. Oder „In diesem Betrieb sind aktuell gut 70 Personen (!) … scheinselbstständig durch freie Dienstnehmerverträge beschäftigt, obwohl die Arbeit im Büro der Firma zu vorgegebenen Zeiten durchgeführt werden muss und wir um Urlaub ansuchen müssen“. Hier handelte es sich um eine IT Firma.

Eine andere Person schrieb uns wiederum „Die Mitarbeiter wurden mit einem gewissen Betrag, der unter der Geringfügigkeitsgrenze lag, angemeldet. De facto musste jeder seine Arbeitszeit in ein Heft eintragen. Am Monatsende wurde abgerechnet mit 7 Euro pro Stunde, der Gesamtbetrag und insbesondere die gearbeiteten Stunden waren zwar über der Geringfüfigkeitsgrenze, wir mussten dennoch immer einen Lohnzettel unterschreiben der einen niedrigeren Betrag/Stunden aufwies…“.

Branchenübergreifende Verbreitung
Auch eine erste Auswertung der Antworten bestätigt klar, dass die Meldungen ernstzunehmende Missstände aufweisen und es sich um keine echten selbstständigen Beschäftigungsverhältnisse handelt. So haben ganze 89 Prozent angegeben, dass Weisungen erteilt und ihre Arbeitsleistung kontrolliert wurden, 60 Prozent der Betroffenen haben angegeben selbst als Ansprechpersonen für einen vorgegebenen Bereich eingesetzt zu werden und dass sie sich dabei nicht vertreten lassen dürfen. 66 Prozent geben an, fixe Arbeitszeiten einhalten zu müssen und 62 Prozent haben einen eigenen Arbeitsplatz mit Computer im Betrieb. All das sind ganz klare Indikatoren für ein unselbstständiges Arbeitsverhältnis, ein freies Unternehmertum lässt sich nicht erkennen. Ein Blick auf die Branchen aus denen die Meldungen kommen, zeigt außerdem dass sich die Missstände nicht auf einige wenige Branchen beschränken, sondern weit verbreitet sind.

Nun stellt sich die Frage; was stört die VertreterInnen der Wirtschaftskammer so an unserem Angebot, wer pauschaliert hier wirklich? Wir sagen nicht dass alle EPU in Österreich scheinselbstständig sind, wir sagen wir wollen denen helfen die sich an uns wenden und denen ihre Rechte als ArbeitnehmerInnen vorenthalten werden.

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